Eine kurze Geschichte

Luftbildaufnahme von 1933 zeigt den Hermannplatz, Berlin mit Karstadt

Der Hermannplatz entwickelte sich aus zwei sich treffenden Straßen erst zu einer Kreuzung und später zu einem Platz, nicht aus einer zentralen Funktion heraus. Hier führte der Weg von Berlin über Rixdorf (damals noch Richardsdorf) weiter hinaus aufs Land. 1534 wurde am Platz das erste Wirtshaus gebaut, später kamen weitere Gasthäuser, eine Apotheke, ein Steuerhaus, ein Zollhaus und Mietshäuser dazu. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Platz zum Platz am Rollkrug benannt, einer Schankwirtschaft, deren Namen wiederum von den benachbarten Rollbergen herrührte. 1797 erhielt die Gemeinde Böhmisch Rixdorf ihre erste eigene Verwaltung und der Platz gewann an Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt zwischen Berlin und südlich gelegenen Städten wir Dresden und Cottbus.

Im Jahr 1885 erhielt der Hermannplatz seinen heutigen Namen. Hier war die Ortsgrenze zwischen Berlin und der seit 1899 einen eigenen Stadtkreis bildenden Gemeinde Rixdorf. 1912 wurde die Stadt Rixdorf in Neukölln umbenannt und 1920 im Zuge der Umsetzung des Gesetzes zur Bildung der Einheitsgemeinde Berlin („Groß-Berlin-Gesetz“) zum Stadtbezirk Neukölln von Berlin.

Blick vom Rollkrug auf den Hermannplatz um 1900 (Bild: Globusverlag Berlin, Autor unbekannt)

Mitte der 1920er Jahre wurden die Wohngebäude auf der Westseite des Platzes abgerissen und es entstand dort der U-Bahnhof Hermannplatz. In diesem Zuge wurde der Platz um 20 Meter verbreitert. 1927 wurde auf einem 12.500 m2 großen Baugrundstück mit den Bauarbeiten für ein Karstadt-Warenhaus begonnen. Nach 16 Monaten Bauzeit war das neungeschossige Gebäude fertiggestellt. Damals war der Hermannplatz umfänglich an das Straßenbahnnetz angeschlossen. Im Jahr 1930 verfügten alle Zufahrtsstraßen über Straßenbahngleise, 15 Linien verkehrten am Platz. Nach der Teilung Berlins wurde der Straßenbahnverkehr Mitte der 1960er Jahre nach und nach eingestellt und es erfolgte ab 1980 ein Rückbau der Gleise.

Im Zweiten Weltkrieg wurde vor allem das Warenhaus in Mittleidenschaft gezogen, da es am Ende des Krieges durch die SS gesprengt wurde, um die gelagerten Vorräte zu zerstören.

Mitte der 1980er Jahre erhielt der Platz durch die Neuordnung (Straßenbahnrückbau, Ausbau der U-Bahn) seine heutige Form mit der gepflasterten Marktfläche umgeben von Verkehrsflächen und breiten Bürgersteigen. Die Einweihung des Platzes erfolgte am 27. April 1985 mit einem großen Volksfest.

Mit der Ansiedlung von Gastarbeitern aus der Türkei in den während der Teilung am Stadtrand West-Berlins gelegenen Bezirke Neukölln und Kreuzberg, wurden der Hermannplatz und seine Umgebung durch das migrantische Leben stark geprägt. Geschäfte und Gastronomie für türkisches Publikum entstanden. Heute leben in der Gegend Menschen aus ca. 160 verschiedenen Nationen und führen zu einer kulturellen Vielfalt und der Ansiedlung vielseitiger Einzelhandelsangebote.