Das Warenhaus

Foto zeigt das Warenhaus, ehemals Karstadt am Hermannplatz

Städtebaulich und funktional prägnant ist das am Hermannplatz befindliche Gebäude der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof, eingefasst von der Urbanstraße und der Hasenheide. Architekt des Karstadt-Warenhauses, welches 1927 errichtet wurde, war Philipp Schaefer, der sich als Vorbild die amerikanische Hochhausarchitektur des Art déco heranzog. Das Gebäude verfügte über ein Stahlbetonskelett sowie eine Muschelkalkfassade und überragte den Hermannplatz mit seinen neun Geschossen um 32 Meter. Die Gliederung der Straßenfront erinnerte an den gotischen Kirchenbaustil. Mit einer Verkaufsfläche von über 70.000 m² auf neun Geschossen wurde dieses Gebäude zum größten Warenhaus Europas. Das Gebäude beherbergte neben dem Warenhaus noch Badestätten, Frisiersalons, eine Sporthalle, Restaurants und Räume für Kulturveranstaltungen. Es verfügte über eine begrünte Dachterrasse, auf der täglich eine Musikkapelle zum Tanz aufspielte. Der Blick über ganz Berlin war ein absoluter Anziehungspunkt für viele Menschen. In der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre mussten mehrere Etagen geschlossen werden. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden alle jüdischen Beschäftigten entlassen. Im April 1945 sprengte die SS das Karstadt-Gebäude, um den anrückenden sowjetischen Truppen nichts zu überlassen. Mit dem Wiederaufbau des Gebäudes wurde 1950 nach Abschluss der Aufräumarbeiten begonnen, bei welchen 15.000 m³ Trümmerschutt abtransportiert werden musste.  Nur an der Westseite ist heute noch ein Teil der historischen Fassade zu erkennen. Karstadt verfügte nach dem Wiederaufbau über mehr als 5.000 m² Verkaufsfläche. Es folgte eine Erweiterung mit einer provisorischen Schaufensterfront entlang des Hermannplatzes, die später über die Ecke bis in die Urbanstraße verlängerte wurde. Das Grundstück wurde durch einen Kundenparkplatz erweitert. 1959 wurde die Verkaufsfläche im Erdgeschoss vergrößert. Im neu ausgebauten Untergeschoss entstand eine großzügige Selbstbedienungsabteilung für Lebensmittel.

Mit dem Mauerbau im August 1961 lag der Hermannplatz und damit auch das Warenhaus nicht mehr im Zentrum Berlins, sondern am Rande West-Berlins. Die damit verbundene abnehmende Frequenz für Kundinnen und Kunden führte zu Umsatzeinbußen des Unternehmens. Nach dem Fall der Mauer 1989 gewann das Warenhaus seine Popularität in der Bevölkerung und seine hohe Zentralität zurück. Neben seiner Bedeutung als Einkaufsort hat es auch eine historische Bedeutung für Kundschaft und Besuchende. Nach einem Ausbau im Jahr 1998 verfügte das Warenhaus über eine Verkaufsfläche von 31.500 m². Die betonverkleidete Fassade wurde zudem geöffnet und durch Glasfronten ersetzt, eine neue Dachterrasse sowie ein neues Parkhaus mit rund 650 Stellplätzen wurden errichtet.

Das Warenhaus verfügt heute über direkte Zugänge zum U-Bahnhof der Linien U7 und U8 und zu einem weiteren Wartungstunnel der BVG, welcher das Grundstück auf Höhe des 2. Untergeschosses unterfährt. Die Bestandsbebauung umfasst ein viergeschossiges Warenhaus mit Bauteilen aus dem Zeitraum von 1929 bis 2000, an das ein siebengeschossiges Fragment aus dem Jahr 1929 angegliedert ist. Zudem befinden sich ein gründerzeitlicher Altbau und eine Hochgarage von 1999 auf dem Grundstück. Der Hof umfasst einen Parkplatz und einen Ladehof. Das Karstadt-Grundstück ist vollständig überbaut und erschlossen, ohne dichten Baumbestand oder sonstige Grünflächen.

Nach einer bewegten Geschichte des Hermannplatzes und des Karstadt-Warenhauses steht eine erneute Wende für das Warenhaus an. Anfang 2019 wurden von der SIGNA Holding Pläne für den Hermannplatz vorgestellt. Ausgangslage bzw. Grundlage für eine Neuentwicklung des Karstadt-Areals sind folgende nachteilige Merkmale:

  • die ineffiziente Flächenausnutzung im hinteren Bereich von insgesamt 7.500 m²,
  • die weitgehend monofunktionale Nutzung durch den Einzelhandel,
  • das nur zu einem Drittel genutzte oberirdische Parkhaus sowie
  • die ineffiziente Nutzung des Innenhofes für Parken und für die Anlieferung.

Die ersten Planungsüberlegungen des Investors gingen von einem Abriss des Karstadt-Gebäudes aus den fünfziger und siebziger Jahren und des Parkhauses aus sowie von einem Wiederaufbau des einst legendären Warenhauses aus den 1920er Jahren. Dies traf auf erheblichen Widerstand. Seit Mai 2021 liegt ein neues Konzept des Eigentümers vor, wonach das Bestandsgebäude nicht abgerissen und neu gebaut, sondern saniert werden soll. Das bedeutet eine vollständige Entkernung des Hauses bis auf den zu erhaltenden Rohbau. Vorgesehen ist eine Aufstockung als Holzkonstruktion; die historische Fassade soll mit Ziegeln nachempfunden werden. Es wird davon gesprochen, dass der Architekt David Chipperfield durch Erhalt und Ergänzung des Bestands neue Akzente an dem historischen Ort setzen will.

Der Standort Hermannplatz ist auch Gegenstand eines Letter of Intent (LoI) über den Erhalt von Warenhausstandorten, den das Land Berlin am 03.08.2020 mit der SIGNA Prime Selection AG und der GALERIA Karstadt-Kaufhof GmbH abgeschlossen hat.

Pressemitteilung vom 03.08.2021